|Alltag| Impulskontrolle: unsere Übungen

Impulskontrolle: unsere Übungen

Es war etwas still um uns geworden in den letzten zwei Wochen. Was soll ich sagen? Das Leben kam dazwischen. Jetzt sind wir aber wieder da und zwar mit einem Thema, das vielen von euch am Herzen liegt. Der Impulskontrolle.

Nach unserem Beitrag Koa, Katzen und Impulskontrolle haben uns viele, viele Nachrichten von euch über diverse Kanäle erreicht. Darum möchte ich euch heute mal zeigen, welche Übungen ich in unseren Alltag integriert habe, die Koa dabei helfen sollen, ihre Impulse zu kontrollieren. Eins vorweg: Ich bin allerdings kein Hundetrainer und jedes Mensch-Hund-Team ist anders. Was bei Koa und mir funktioniert, kann auch bei euch helfen, muss aber nicht. Im Zweifel helfen professionelle Trainer immer gerne weiter. 🙂

Die Sache mit Koa ist: Koa reagiert extrem schnell auf Bewegungsreize. Als Welpe hätte sie am Liebsten jeden Jogger, Fahrradfahrer und sogar Autos gerne gehütet. Und auch Blätter, Mäuse und Vögel waren vor ihr nicht sicher. Während ich mich sofort um die Problematik mit Menschen und Autos gekümmert habe, habe ich Mäuse und Vögel schleifen lassen. Mein Fehler. Würde ich heute früher unterbinden…

Auf jeden Fall stärken wir seither regelmäßig Koa’s Impulskontrolle. Bei Joggern & Co. ist sie schon sehr gelassen. Außer, der Jogger oder ein Fahrrad kommen unerwartet und schnell um die Ecke. Dann wird sie hektisch, stellt die Nackenhaare und stemmt sich in die Leine. Ihr seht also: Während einige Dinge, wie zum Beispiel das Abrufen bei Hasen oder das gelassene Platz bei Autos, jetzt kein Problem mehr sind, haben wir immer noch so unsere Baustellen. Aber: Wir arbeiten dran. Und es wird mit jedem Tag besser – wenn nicht gerade das Pubertier in der Nähe ist. 😉

Nun genug um den heißen Brei herum geredet, kommen wir zu unseren Übungen. Wichtig ist in meinen Augen, dass ihr immer nur kleine Übungseinheiten einlegt. Für impulsive Hunde ist das Training wahnsinnig anstrengend und der Topf mit der Kontrolle schnell leer. Als Mensch sollte ich vor allem ruhig und gelassen sein. Auch hilft es – wie bei jedem Training – in einer reizarmen Umgebung zu beginnen, also zum Beispiel in der Wohnung.

Die ersten beiden Übungen lassen sich problemlos in den Alltag integrieren – wenn ihr die Übungen nicht sowieso schon macht.

1. Die Futter-Übung

Die erste Übung ist denkbar einfach: Futter gibt es nur für den Hund, der geduldig wartet. Koa sitzt dafür in der Küche ab, während ich den Napf zu ihrem Futterplatz bringe und abstelle. Erst nach Augenkontakt und einem „Ok“ darf Koa an den Napf. Wird sie schon vor dem „Ok“ ungeduldig und bewegt sich, muss sie an ihren Platz zurück.

Wenn ihr das geduldige Warten aufs Futter eurem Welpen oder einem besonders ungeduldigen Hund beibringen wollt, geht in kleinen Schritten vor. Setzt den Hund am Futterplatz ab und stellt den Napf vor seiner Nase ab. Wenn der Hund zu früh zuckt, geht der Napf wieder nach oben, außerhalb der Reichweite. Das kann zu Beginn ein ordentliches Geduldspiel sein, aber in der Regel lernen Hunde schnell das Prinzip.

Die Futter-Übung / Impulskontrolle

Übrigens: Lasst den Hund nicht vor dem Napf verhungern. Der Hund muss nicht Ewigkeiten vor dem Napf sitzen, bevor das „Ok“ kommt, sondern ein geduldiges Sitz und Blickkontakt werden schnell belohnt.

2. Die Leinen-Übung

Gehört euer Hund auch zu denen, die genau wissen, dass es gleich raus geht? Koa kennt unseren werktäglichen Ablauf ganz genau. Sobald sie merkt, dass ich fertig bin, läuft sie mir aufgeregt zwischen den Füßen rum. Vor allem im Sommer, wenn man nach dem Lüften nochmal in jeden Raum muss, um die Fenster zu schließen, kann das extrem nerven. Eine Lösung musste her.

Unsere Lösung sieht so aus: Ich lege Koa’s Leine im Flur auf den Boden und den Hund daneben ab. Die Leine am Boden ist das Signal, dass Koa liegen bleiben soll. Als ich die Übung mit ihr angefangen habe, konnte Koa schon ein sehr gutes „Platz und Bleib“. Wenn euer Hund das noch nicht beherrscht, müsst ihr das zuerst trainieren. Erst wenn ich dann Schuhe an und Schlüssel in der Hand habe, hole ich Koa ab und wir starten gemeinsam in den Tag.

Die Leinen-Übung / Impulskontrolle

Übrigens versuche ich das Leinen-Signal – also Leine auf dem Boden = Platz und Bleib – auch in anderen Situationen zu etablieren. Ich mache regelmäßig etwa 20 Minuten HIT-Training. Da hüpfe ich ordentlich vor Koa’s Nase rum oder mache Übungen auf der Matte. Mit Decke und Leinen-Signal bringe ich ihr aktuell bei, mir einfach gelassen zuzuschauen. Das funktioniert bisher allerdings eher semi-gut. Sie liegt zwar wie ein Stein, kommentiert mein Training aber mit ordentlich Gejammer…

Bei den nächsten Übungen gibt es unterschiedliche Level, also Schwierigkeitsgrade.

3. Die Balance-Übung

Ursprünglich habe ich diese Übung ins Training integriert, um Koa das Kommando „Lass es“ beizubringen. Später habe ich aber gemerkt, dass auch das eine tolle Übung für die Impulskontrolle ist.

Einsteiger: Legt den Hund ins Platz und platziert ein Leckerli auf der Pfote. Gebt einen Befehl wie „Lass es“ oder ein stoppendes Handzeichen – bei Koa und mir ist es die geöffnete Handfläche, die ich wie ein Stoppschild vor Koa’s Nase halte. Nur nach Blickkontakt und einem „Ok“ darf sich der Hund das Leckerli schnappen. Will der Hund früher ans Leckerli, müsst ihr schneller sein und das Leckerli mit der Hand bedecken.

Fortgeschrittene: Wenn das zuverlässig klappt, könnt ihr den Schwierigkeitsgrad erhöhen. Dazu legt Koa ihre Schnauze in meine ausgestreckte Hand und ich lege ihr ein Leckerli auf die Schnauze. Bei uns ist das Kommando dazu „Balance“. Ich nehme meine Hand weg und Koa muss das Leckerli kurz balancieren, bis das „Ok“ die Übung auflöst.

Warum diese Übung bei uns auch toll zur Impulskontrolle beigetragen hat? Auch hier ist das Zauberwort wieder: Geduld wird belohnt. Was ich aber gemerkt habe: Wenn wir unterwegs sind und Koa beginnt, etwas hochzufahren, mache ich die Balance-Übung mit ihr. Sie ist dann gezwungen, ruhig zu sitzen und sich zu konzentrieren – und letztlich wieder runterzufahren. Das klappt aber natürlich nicht mehr, wenn die Aufregung schon zu groß ist…

4. Die Ball-Übung

Sicherlich von allen Übungen Koa’s liebste: die Ball-Übung. Hier gibt es drei Level. Wir arbeiten aktuell selbst noch an dem Profi-Level.

Einsteiger: Nehmt einen Ball in die Hand, setzt den Hund ab und kniet euch daneben. Haltet mit der einen Hand den Hund leicht an Geschirr oder Halsband, wiederholt das Kommando „Sitz“ und werft den Ball ein oder zwei Meter vor euch. Der Hund darf allerdings nicht sofort losstürmen, sondern muss im Sitz warten, bis ihr das Sitz mit einem „Ok“, „Apport“, „Bring“ oder ähnlichem Kommando auflöst. Wenn das Sitz eurem Hund zu Beginn noch sehr schwer fällt, sobald der Ball fliegt, legt den Hund stattdessen ins Platz. Oft ist das für den Hund leichter auszuhalten.

Versucht, nach und nach eure Hand von Halsband oder Geschirr zu nehmen, bleibt aber noch nah beim Hund, bis das Sitzen oder Liegen bleiben zuverlässig klappt. Danach werft den Ball nach und nach ein Stückchen weiter weg. Auch hier ist der Schlüssel in meinen Augen: Macht nicht zu viele Wiederholungen auf einmal, sondern wenige Wiederholungen. Für viele Hunde ist das eine wahnsinnig anstrengende Übung.

Fortgeschrittene: Setzt den Hund ab und vergrößert ein wenig die Distanz. Zu Beginn reicht schon ein Meter, die Distanz kann man dann nach und nach steigern. Wiederholt das Sitz und werft den Ball. Gebt den Hund erst mit einem „Ok“ frei, wenn der Ball ausgerollt hat.

Die Ball-Übung / Impulskontrolle

Profi: Wie schon bei den anderen beiden Leveln wird der Hund abgesetzt, ihr steht allerdings wieder daneben. Nachdem ihr das Sitz wiederholt habt, werft ihr den Ball und gebt den Hund wie gewohnt frei. Aber jetzt kommt die Schwierigkeit: Etwa in der Hälfte der Strecke zwischen euch und dem Ball, ruft ihr den Hund wieder ab. Sobald er bei euch ankommt, gibt es eine große Freudenfeier (und Leckerli), danach darf der Hund sich den Ball schnappen.

Das waren sie, unsere vier Übungen, die wir sehr regelmäßig in unseren Alltag eingebaut haben. Ich hoffe, unsere Übungen können auch euch weiterhelfen. Sollte nichts für euch dabei sein, kann ich nur nochmals den Gang zum Hundetrainer empfehlen. Koa und ich sind ja zwei Mal die Woche auf dem Hundeplatz und unsere Trainer haben uns in den vergangenen Monaten schon wirklich viele gute Tipps geben können.

Empfehlen kann ich euch übrigens auch das Buch Impulskontrolle für Treib- und Hütehunde** von Christiane Schnepper. Viele Übungen, klar und verständlich aufgebaut und angenehm zu lesen. Ihr bekommt es für 17,90 Euro und ich persönlich empfand das als lohnenswerte Investition.

Jetzt bleibt mir nur noch, euch viele Grüße zu senden. Lasst es euch gut gehen und viel Spaß beim Trainieren!

Maike & Koa

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4 Gedanken zu “|Alltag| Impulskontrolle: unsere Übungen

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